An unsere Freunde

Ein Einblick für alle, die nicht wissen wie wir uns fühlen



Ja ihr habt recht mit eurer Annahme, dass wir gerade etwas durchmachen, für das es keine Worte gibt. Nicht mal wir können es in Worte fassen wie es uns geht und wie wir uns fühlen.
Und es gibt nichts, was diesen Zustand annähernd beschreibt.

Ihr wollt uns helfen und seid vielleicht überfordert. Uns geht es ganz genau so. Wir haben einen permanenten Zustand von Leere und   Hilflosigkeit. Bitte erwartet nicht, dass wir euch sagen können was uns hilft, wir wissen es selbst nicht.

Ihr versucht uns abzulenken, ihr wollt dass wir mal raus kommen. Manchmal brauchen wir ein bisschen Ablenkung, um wieder Kraft zu tanken. Manchmal fühlen wir uns aber einfach nur überrollt, weil eure Welt sich weiterdreht und unsere stehen geblieben ist. 

Wir sind unzuverlässig. Wir freuen uns, dass ihr uns sehen wollt uns machen ein Treffen aus. Dann fühlen wir uns aber gar nicht in der Lage überhaupt raus zu gehen. Jeden morgen kämpfen wir aufs Neue, die Kraft zu finden, aufzustehen, etwas zu essen und uns anzuziehen. Manchmal ist uns ein Treffen dann einfach zu viel.

Wir sind vergesslich. Die einfachsten Dinge vergessen wir. Unsere Gedanken fahren Karussell. Eure Geburtstage oder Feiertage sind uns nicht egal, aber wir haben so viel zu sortieren, dass wir jegliches Zeitgefühl verloren haben. 


Wir sind unberechenbar. Wir wissen nicht wie unsere Zukunft aussieht, immerhin wurde uns alles genommen, alle Pläne dahin. Wenn es jetzt so aussieht als würde es uns gut gehen, kann es in den nächsten 5 Minuten wieder umschwenken und wir brechen in Tränen aus. Wir können das nicht steuern. Wir sind unaufmerksam. Wir hören euch zu, freuen uns auch mit euch. Allerdings ist unser Kind immer präsent und die schönen Dinge sind überschattet von Trauer. Bitte denkt nicht wir wären neidisch oder gönnen euch euer Glück nicht.

Um ehrlich zu sein, fühlen wir uns im Moment zu unseren Kindern mehr hingezogen als zu unserem Leben. Wenn ihr unseren Kindern einen Platz gebt und wir über sie reden dürfen, oder auch einfach nur zusammen weinen, ist uns geholfen.

Ihr glaubt, dass es uns doch bald besser gehen muss, dass das Leben nach soundsoviel Wochen endlich weiter gehen muss. Wir haben im Moment kein Leben mehr. Es gab eins vor unseren Kindern und so wird es niemals mehr sein. Wir brauchen Zeit, um unseren Platz wieder zu finden und neu zu sortieren. Setzt uns nicht unter Druck. Je mehr wir gesagt bekommen was normal sein sollte, umso abnormaler fühlen wir uns.

Ihr habt es nicht leicht mit uns und allen die sich uns stellen in der Situation haben meinen größten Respekt. Auch die, die sich von uns abwenden haben mein Verständnis. Nicht jeder kann und will mit uns umgehen. Hätten wir eine Wahl, wären wir auch nicht in dieser Situation.

Keiner kann uns unsere Trauer abnehmen oder lindern, auch wenn ihr das gerne wollt. Schon allein der Gedanke den ihr hegt, spendet uns Trost. 

Ihr fragt euch wie wir manchmal so stark und gefasst wirken wenn wir erzählen. Wir Leiern immer wieder das Selbe herunter und schalten unsere Emotionen zeitweise aus. Hätten wir diesen Schutzmechsnismus nicht, würden wir daran kaputt gehen.
Wir sind nicht stark, wir versuchen uns nur zeitweise zu schützen.

Weil wir selbst keine Antwort wissen, können wir euch keine große Hilfe sein. Also habt einfach nur Verständnis für uns und unser Verhalten. Wir wären selbst am liebsten wieder die alten, so werden wir nie mehr werden. Anders sein muss nicht immer was Schlechtes bedeuten. Wir brauchen nur Geduld. Ihr mit uns und wir mit uns selbst.

Trotz den Chaos schätzen wir die, die bleiben in der schweren Zeit und sind damit einverstanden, dass auch einige gehen.

Gerade die nächsten Wochen werden hart für uns. Die besinnliche Weihnachtszeit. Ihr seid im Stress Geschenke zu besorgen, freut euch auf leuchtende Kinderaugen, Geschenke usw. Für uns hat Materielles an Bedeutung verloren. Am liebsten würden wir die Feiertage aus dem Kalender streichen. Wir sind nicht in Weihnachts- oder Neujahrsstimmung. Kein Weihnachtswunsch der Welt kann unseren in Erfüllung gehen lassen. Bitte akzeptiert dass wir uns jetzt noch mehr zurück ziehen, als wir es sowieso schon getan haben.

Vielleicht geht es uns bald besser, vielleicht auch nicht. 
Wichtig ist dass ihr an uns glaubt und uns nicht aufhebt, dann können wir irgendwann vielleicht selbst wieder an uns glauben.

Trotz allen denken wir an euch und haben euch im Herz!