Mein Kind ist tot was nun?

Mein Kind ist tot und jetzt?

Ich glaube in den meisten Fällen kommt diese Nachricht plötzlich aus dem Nichts und trifft einem dermaßen hart, dass man nicht mehr fähig ist zu handeln und zu denken.
Man befindet sich in einer Art Schock oder Starre, ist nicht fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb überlegen wir schon die ganze Zeit, welche Vorarbeit man leisten kann. 
Eine Notfallnummer, die beim Frauenarzt oder in der Klinik ausgehändigt werden kann?
Einen Flyer mit den wichtigsten Punkten direkt bei Aushändigung des Mutterpasses? 

Meistens wird man in diesem Stadium aufgefangen in der Klinik. Von Ärzten, Hebammen, Psychologen. Aber was ist danach wenn man Zuhause ist?

Genauso wie bei einem gesunden lebenden Kind kann man die Nachsorge von der Hebamme in Anspruch nehmen. Man kann sich psychologische Hilfe suchen (als Kassenpatient ca. 6 Monate Wartezeit) oder sich an andere Personen wenden, z.B Selbsthilfegruppen oder speziell ausgebildete Trauerbegleitungen.

Hier würde ich gerne aus eigener Erfahrung sprechen. Wie schon erwähnt gibt es kein Richtig und Falsch bei diesem Thema und ich kann hier nur für mich bzw für uns als kleine Familie sprechen und möchte keineswegs andere Arten oder Wege als schlecht oder falsch bewerten. 

An diesem Mittwoch morgen hat mich Mama zur Frauenärztin gefahren, weil ich mich hundsmiserabel gefühlt hatte. Beim CTG keine Herztöne, beim Ultraschall hat sich der schlimme Verdacht dann bestätigt. Es ging alles sehr schnell, ich wurde mit dem Krankenwagen zur Klinik gefahren.
Auch dort CTG und Ultraschall. Keine Herztöne. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich nicht mehr alleine gelassen. Ich hatte Bedenkzeit, weil für mich eine normale Geburt nicht in Frage kam. Mir wurde direkt psychologische Hilfe angeboten und ein Gespräch mit einem Geistlichen. Beides habe ich zu der Zeit abgelehnt. Was hätten sie mir denn sagen sollen? Alles wird gut? Das Leben geht weiter? Gott hütet seine Schäfchen? Gott?! Der, der mir gerade meine Kinder genommen hat? Nä!
Ich wollte meinen Freund, meine Eltern und meine zwei Lieblingsmenschen Giulia und Becci bei mir haben und sonst gar nix. 
Am nächsten Tag habe ich eine enge Freundin der Familie ins Krankenhaus bestellt, weil sie das selbe Schicksal teilte. Dieses Gespräch hat mir gut getan. Ich wollte dann doch noch mit der Psychologin in der Klinik sprechen. Sie hatte wertvolle Tipps für die erste Zeit Zuhause. Ich wurde dann mit einem Päckchen an Infoflyern, der Telefonnummer der Psychologin und der unserer Hebamme und starkem Beruhigungsmittel entlassen. 
Ich hatte große Angst Heim zu kommen, immerhin war schon alles babyfertig. Meine Familie hatte alles was mit den Kleinen zu tun hatte erst einmal aus dem Sichtfeld geräumt und alles im Kinderbett im Schlafzimmer geparkt, sodass ich ganz alleine entscheiden konnte, wann ich bereit war, die Sachen zu sehen.
Am Sonntag drauf hatte ich einen schlimmen Zusammenbruch, ich hab in meiner Trauer und Wut wild um mich geschlagen und einige Möbelstücke zertrümmert und um mich herum herrschte nur Hilflosigkeit, weil ich niemanden an mich ran gelassen habe. Als sich die Lage dann beruhigt hatte, versuchte meine Mama bei etlichen Selbsthilfegruppen, Notfallnummern und Sorgentelefonen anzurufen und hatte niemanden erreicht. 
Hilf dir selbst lautet unser Motto. Montags haben wir dann durch "Zufall" ( wir glauben nicht an Zufälle) Helga Schmidtke kennengelernt, die aus der Hospiz und Sterbebegleitung kommt und es sich zur Aufgabe gemacht hat Trauernden zu helfen. Natürlich kann einem niemand die Trauer abnehmen, aber es ist gut zu wissen, dass alles was man jetzt so an den Tag legt normal ist. Bei den Terminen mit Helga bekomme ich gezeigt, wie ich der Trauer auf gesunde Art und Weise Raum geben  und sie als Teil meines Lebens annehmen und akzeptieren kann. Und siehe da was daraus geworden ist. 
Ich wünsche mir von Herzen, dass ich, genau wie Helga, Betroffenen aus meiner Erfahrung helfen kann, dass ich Trost spenden und einen kleinen Stück des harten Weges mitgehen kann. Die SternenWutz ist ein kleiner Anfang...